Souvenirs aus Berlin für die Welt

Tanka Ticker Autorin und Geschichtenerzählerin


Offiziell ausgezeichnete Botschafterin der Stadt Berlin, verliehen vom Regierenden Bürgermeister 2008, Kampagne Sei.Berlin

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Kurzgeschichten und Gedichte sind die literarische Spezialität von Tanka Ticker, gebürtige West-Berlinerin. Mit ihren lebensnahen Erzählungen hat die Überall-Berlinerin, wie sie sich nennt, seit 2003 mehrere Kurzgeschichten- Wettbewerbe gewonnen.

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Die Geschichtenerzählerin liebt die Verbindung von Fiktivem mit Biographischem. Tanka Tickers Lieblingsheld ist Kalle Darwinske. Ein Außenseiter, der sich mit Berliner Esprit und Charme durch den Großstadtdschungel schlägt. Ob als schwitzender Talkshow-Gast, frecher Leichenschmaus-Abstauber oder stehlender Freizeit-Philosoph.

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Tanka Ticker studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Neuere Deutsche Literatur und beendete ihr Studium erfolgreich als Magistra Artium. Die Publizistin lebt und arbeitet in Berlin als Autorin und Kuratorin im Kunst- und Kulturbereich.

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Tanka Ticker engagiert sich besonders für den historischen Neuköllner Stadtteil Rixdorf und unterstützt dort die Künstlerkolonie Rixdorf mit ihren Ideen.  Unter anderem half sie dem Festkomitee des 175. Strohballenrollens "Popráci" bei Story- und Titel-Entwicklung.

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Lesungen:

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Programm:


"Neukölln delikat!" Irdische Imbissintimitäten, knackige Kantinenkost, manierliche Mittagmenüs, exzentrische Esseneinladungen, diebische Dosendinnerr. In  Neukölln wird immer etwas ausgefressen - Gerichte und Gerüchte.

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"Kalle Darwinske" Realsatiren über einen Berliner Hausmeister

"Susanne Darwinske" Geschichten einer
Journalistin aus Leidenschaft mit Liebe, Lust und Kitsch


"Protokolle und Geschichten aus der Neuköllner Arbeitswelt
1978 - 2010"
Unterhaltende Protokolle und Geschichten über Jobsuchen damals und heute

"Rixdorfer Wassergeister" Unglaubliche Wassergeistergeschichten aus Rixdorf für Erwachsene


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Veröffentlichungen + Wettbewerbe:

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  • 2010 Richardplatz Prospekt - Richardplatz-Prospekt - Auf dem historischen Rixdorfer Boulevard wird spaziert, ausgeführt, gegessen, getrunken, getroffen, geredet, gelebt. Alltägliche Beobachtungen auf und rund um den Richardplatz von Tanka Ticker in Kurzgeschichten und Gedichte gefasst und von Minze Sputnik bebildert.
  • 2009 Neukölln delikat!
  •  2008 Portrait "sei hier, sei souvenir, sei Berlin. Souvenirs aus Neukölln für die Welt." Veröffentlicht bei Be Berlin, 2008
  •  2008 Kunstbuch "Rixdorfer Wassergeister - Geschichten rund um den Richardplatz", limitierte Erstauflage von 44 Stück, gefördert durch Dezentrale Kulturarbeit Neukölln.
  •  2007 Essays "Gemütlichkeit"; "Der böse Wolf" IN: Lichtung. Die fotografische Sammlung des Museums Neukölln. Begleitband zur Jahresausstellung 07/08; Hg.: Udo Gößwald; Folke Hanfeld im Auftrag des Bezirksamts Neukölln von Berlin.
  •  2006 Drehbuch-Entwurf "Die Show" - Wettbewerb Sat.1 talent class 06
  •  2005 Gewinnerin im Kurzgeschichten-Wettbewerb „Aufgewachsen in Berlin“, Kurzgeschichte „Sommer in Berlin“, Veröffentlichung in der Anthologie „Aufgewachsen in Berlin“, Hg.: Berliner Woche, Allitera Verlag.
  •  2004 Gewinnerin im Krimiwettbewerb „Verbrecherjagd in Berlin“; Kurzgeschichte „Leichenschmaus“, Veröffentlichung in der Anthologie „Die Tote in der Spree“, Hg.: Verlag der Criminale, Berliner Woche.
  •  2003 Gewinnerin im „Wettbewerb des Geistes. Versuche über Alltag und Denken“, Kurzgeschichte: „Das Vorstellungsgespräch“, Veröffentlichung in Anthologie „Wettbewerb des Geistes. Versuche über Alltag und Denken“, Hg.: die werkstatt e.V. Forum für Philosophie und Kunst.

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TEXTPROBE


Kalle Darwinske als stehlender Freizeit-Philosoph

Das Vorstellungsgespräch

Kalle sitzt auf seiner Lieblingsbank am großen Weg in der Hasenheide und macht sich gerade ein Bier auf. Er hat gute Laune, obwohl er heute schon so früh beim Arbeitsamt erscheinen musste. Doch es hat sich gelohnt, denn die Frau vom Amt hat ihm für morgen ein Vorstellungsgespräch besorgt. „Da können Sie mal auf längere Zeit ordentlich Geld verdienen. Als Pförtner. Der Job ist einfach. Monitore und Mitarbeiterausweise kontrollieren, Besucher anmelden. Können Sie sich das vorstellen, Herr Darwinske?“, fragte ihn seine Vermittlerin. „Na klar“, erwiderte Kalle, „ich bin der Geeignetste für diesen Job.“ Und dachte für sich, was Besseres in Eurer Welt kann ich ja eh nicht bekommen. Mein ganzes Leben schlage ich mich schon irgendwie durch. In meiner Welt bin ich der Fitteste und in Eurer Welt passe ich mich an, so gut wie es geht und wie ich es will.


Gepflegte Erscheinung wird vorausgesetzt steht im Bewerbungsbogen. In seinem Kleiderschrank liegen nur ein paar Jogginganzüge und löchrige Jeans. Scheiße, das kann ich vergessen, denkt er, damit bin ich gleich wieder draußen. Ich brauche neue Klamotten. Aber ohne Kohle? Kleiderkammer kann ich vergessen, da gibt´s nur uraltes Zeug. Sein Auftrag für heute lautet, etwas Ordentliches zum Anziehen zu besorgen.

Mein Leben ist mein Boxkampf, sagt Kalle immer, der Fitteste gewinnt. Er macht sich oft Gedanken über sein Leben und das Leben im allgemeinen, besonders, wenn er gerade wieder arbeitslos ist. Seine Kumpels nennen ihn den Denker, weil er viel grübelt und Sätze sagt, die sie nicht verstehen. Wie damals, als er ihnen erzählte, Menschen seien auch nur Affen und die Welt müßte man sich als Baum vorstellen und jeder würde den Ast finden, der zu ihm passt. Die Kumpels lachen ihn meistens aus, doch er bleibt bei seiner Meinung. Er ist nicht wie seine Kumpels, denen fast alles egal ist, hauptsache irgendjemand hat Kohle in der Tasche. Die trotzdem darauf hoffen, daß es ihren Kids mal besser geht und, daß die nicht genauso werden wie sie. „Werden die auch nicht“, erklärte ihnen Kalle einmal. „Wie Ihr seid und was ihr seid, das gebt Ihr nur zu einem ganz kleinen Teil weiter. Eure Kids kriegen vor allem das mit, was sie fit macht und das aushält, was ihr Leben und ihre Zeit fordern. Das verändert sich ständig und läuft immer weiter.“ Das ist Teil seiner Theorie, die ihm erklärt, wie das Leben läuft. Alles, was ihm einfällt, schreibt er auf und schickt Leserbriefe an alle möglichen Zeitungen. Einmal wurde sogar einer veröffentlicht und ein Fernsehsender lud ihn daraufhin zu einer dieser Talkshows ein. Das Publikum lachte ihn aus, nannte ihn Affenhirni, aber das ließ ihn kalt.

Kalle wischt sich den Schweiß von der Stirn. Es sind sicher fast 30 Grad. Auf der Wiese liegen viele Leute, fast halbnackt, und sonnen sich. Kalles Blick bleibt bei einem Schönling, Typ Playboy, hängen, der gerade seine Decke ausbreitet. Mann, hat der Klamotten, wie die Golfer im Sportkanal, denkt Kalle, sehr schick und sicher super bequem. Elegant und doch lässig. Das wäre da richtige für das Vorstellungsgespräch. Genau meine Größe. Der Typ hat sich jetzt bis auf seine Boxershorts ausgezogen, liegt auf seinem antrainierten Waschbrettbauch, sonnt sich und glotzt den Frauen nach. „Angeber“, sagt Kalle laut. In dem Moment klatscht dem Typen ein Ball direkt auf den Hintern. Der dreht sich um, greift den Ball, läuft zu den Volleyballspielerinnen, die er schon die ganze Zeit im Visier hatte. Kalle wirft seine Bierdose weg, steht auf, nimmt seine Tasche und geht in Richtung Volleyballfeld. Neben der Decke, wo eben noch der Schönling lag, bleibt er stehen, bückt sich, greift nach Hemd, Hose, Jacke, Schuhen und rennt los. Ab in die Büsche, den Weg runter, nach rechts, zum Hermannplatz, ab in die U-Bahn. Hier ist es richtig schön kühl.

Zu Hause angekommen, probiert er die Sachen an. Hemd und Hosen passen, aber die Schuhe sind zu klein. Noch mal in den Park gehe ich nicht, denkt Kalle, während er seine Turnschuhe anzieht. Da ist es viel zu heiß. Ich gucke mal im Kaufhaus, was sich da machen lässt. Außerdem gibt´s da ´ne Klimaanlage. Im Kaufhaus geht er sofort in die Schuhabteilung. „Wow, sind die Scheißdinger teuer und überall kleben Sicherungsetiketten dran“, murmelt er. Vielleicht sollte ich einfach einem, der was anprobiert, seine alten Dinger wegnehmen, denkt er und sieht sich um. Es ist nur ein Sandalenträger da, der wieder genau das gleiche Paar mit den gleichen Moosfußbetteinlagen kaufen will. Kalle schlendert weiter durch die Herrenmodeabteilung und gelangt zu den Umkleidekabinen. Davor stehen einige Frauen, die anscheinend auf jemanden warten. Jetzt weiß er, was er tun muss. „Mein Bruder ist da drin“, sagt er dem Verkäufer und lässt sich die Karte mit der Null geben. Er geht in die Anprobe und guckt nach, welche Kabinen besetzt sind. In einer versucht gerade jemand in eine Anzughose zu steigen. Neben ihm stehen schöne schwarze Lederschuhe. Könnten meine Größe sein, denkt Kalle. Er geht in die leere Nachbarkabine, zieht den Vorhang zu und wartet erst mal ab. Der Typ neben ihm schnauft laut, während er sich umzieht, und schimpft über seine Frau. Dann geht er schlurfend ohne seine Schuhe aus der Kabine. Mit einem Griff holt Kalle die Schuhe aus der Kabine und zieht sie an. Sie passen. Er behält die Schuhe an und stellt dafür sein altes Paar hinein. Er gibt die Karte beim Verkäufer ab und geht lässig an dem Pärchen vorbei.
„Zieh Dir doch mal Deine Schuhe an. Du weiß doch sonst gar nicht wie die Hose fällt. Das ich Dir immer alles sagen muss“, hört er die Frau noch meckern, als er schon auf der Rolltreppe steht.


Meinen Kampfauftrag für heute habe ich erfüllt, denkt Kalle stolz, wenn das morgen auch nicht daneben geht, werde ich schon beweisen, wie fit ich bin. Nach dem Abendbrot setzt er sich an seine Schreibmaschine und tippt drauf los: Wenn Sie überleben wollen und Sie selbst haben nicht die geeigneten Mittel dazu, werden sie aktiv. Holen Sie sich, was sie benötigen. Machen sie es wie die Vögel, legen Sie das schönste Gefieder an. Steigern Sie Ihre Attraktivität. Der Kampf ums Dasein verlangt von Ihnen, daß Sie sich anpassen und immer besser werden. Vielleicht schaffen Sie selbst es nicht, aber ihre Kinder. Machen Sie mit, machen Sie nach, machen Sie es besser.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr Charles Darwin (auch bekannt als) Kalle Darwinske.

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"Rixdorfer Wassergeister - Geschichten rund um den Richardplatz"


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Konzept „Rixdorfer Wassergeister“


Wassergeister, Wassermänner und Wasserfrauen kommen in vielen Sagen, Mythen und Märchen vor. Stadtwassergeister leben in Seen, Teichen, besuchen Springbrunnen, lauschen an Wasserleitungen, beobachten Toilettenspülungen, Gullys und Trinkwasserspender, betreuen Straßenpumpen und Hydranten.

In diesem literarischen Kunstprojekt wurden zum Thema Wassergeister eigene fantasievolle Geschichten für unterschiedliche Altersgruppen zum Lesen und Vorlesen in deutscher Sprache kreiert.

Im Neuköllner Stadtteil Rixdorf suchte die Autorin Tanka Ticker Orte auf, an denen Wasser zu finden ist bzw. eingesetzt wird. Der Teich an der Streuobstwiese, die Gullis auf dem Platz vor der Galerie Colognialwarenladen, die Pumpe vor dem Imbiss, der Teich im Comeniusgarten, die Pfützen auf der Spielplatzwiese, die Bänke an der öffentlichen Toilette, der Trinkwasserbrunnen an der Kannerstraße, Wasserleitungen, Grünanlagen, bepflanzte Balkone, Baumscheiben etc.

An diesen Örtlichkeiten halten sich, vor allem bei schönem Wetter, Anwohner wie Besucher Rixdorfs unterschiedlicher kultureller wie sozialer Herkunft oft und für längere Zeit mit unterschiedlichen Intentionen auf. Die Autorin kam mit den sich dort aufhaltenden Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen ins Gespräch und schaffte spontane, interaktive Erzählrunden im offenen Gelände. Die Teilnehmer konnten, ohne Schwellenangst, sich eventuell nicht gut bzw. auf Deutsch ausdrücken zu können, über ihre Erfahrungen mit Wasser, der Natur in der Stadt allgemein, Wissen über Wassergeister, ihre Lebenswirklichkeiten erzählen.

Diese gesammelten, fantastischen wie realistischen Erzählungen wurden von der Autorin zu Kurzgeschichten, Gedichten und Liedern auf deutsch verarbeitet, die in einem kleinen Buch veröffentlicht wurden. Dieses Buch erhielten unentgeltlich öffentliche wie gemeinnützige Einrichtungen in Neukölln, die es ihren Besuchern zum Verleih zugänglich machen.

Die Rixdorfer Wassergeister wurden zudem von Künstlerinnen und Künstlern der Kunst- und Kulturinitiative 44 Cool Girls als Puppen, Bilder, Fotos etc., als Maskottchen und Talismane, die die Natur in der Stadt und ihre Bewohner beschützen, kreiert.

Gefördert wurde das Projekt durch die Dezentrale Kulturarbeit Neukölln



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